Chaos Communication Congress 2019-12-27 bis 30
(36C3: Resource Exhaustion)



Holocaust-Gedenktag 2020

Im Rahmen des 36C3 wurden zahlreiche Vorträge zum Thema IT gehalten. Aber Die thematische Breite der Vorträge ist deutlich umfangreicher, als die meisten Menschen vermuten. Der Club setzt sich gegen jegliche Art von Diskriminierung ein:

Beurteile einen Menschen nach dem, was er tut, und nicht nach üblichen Kriterien wie Aussehen, Alter, Herkunft, Spezies, Geschlecht oder gesellschaftliche Stellung.

(siehe Bild oben)

Aus diesem Grund bekommen auch Menschen, die sich gegen Rassismus und Nationalismus einsetzen einen Raum zum Sprechen.

Wir haben für Euch/Sie die Vorträge zusammengestellt, die zum Thema Rassismus und Rechtsextremismus gehalten wurden. Unten finden sie die Erläuterungen, sowie die Links zu den „Talks“.





Die Affäre Hannibal - Eine erste Bilanz



Hannibal

Sie sollen den Staat schützen, sind aber selbst eine Gefahr: Soldaten und Polizisten, die sich in Chat-Gruppen organisieren und auf den „Tag X“ vorbereiten. Mit aufwändigen Recherchen hat ein Team der taz ein bundesweites konspiratives Netzwerk aus Preppern und Staatsbediensteten aufgedeckt. Kopf war „Hannibal“, Elitesoldat beim Kommando Spezialkräfte – und Auskunftsperson für den Militärischen Abschirmdienst. Hier geben die ReporterInnen Einblick in die Recherche und zeigen, was aus ihren Berichten folgte. Oder auch nicht.

Ein Elitesoldat des Kommando Spezialkräfte, der bundesweit Chatgruppen und einen Verein namens „Uniter e.V.“ gründet, in dem paramilitärische Trainings abgehalten werden.

Ein SEK-Polizist und Prepper, der knapp 60.000 Schuss Munition hortet, die aus Polizeibeständen entwendet wurden.

Männer, die Feindeslisten anlegen und offenbar planen, an einem „Tag X“ politische Gegner umzubringen.

Drei Schlaglichter auf die mehr als zwei Jahre andauernde „Hannibal“-Recherche der taz. Sie führte in viele Felder: Hinein in Verfassungsschutzbehörden und Bundeswehr; hinaus aufs Land zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg; auf Facebook-Profile philippinischer Politiker und in Telegram-Chats deutscher Verschwörer.

Auf die Recherchen folgte Bestürzung, aber – zunächst – auch Belächeln. Sind diese Leute wirklich gefährlich oder doch bloß harmlose Spinner?

In diesem Talk geben zwei der ReporterInnen des taz-Teams einen Einblick in ihre Arbeit, berichten von Begegnungen mit Preppern mit Umsturzfantasien und Verfassungsschutzmitarbeitern, die im schwarzen Porsche Cayenne vorfahren. Sie berichten von Erfolgen bei der Online-Recherche und warum Hinfahren und an Türen klingeln am Ende doch unerlässlich ist.

Die Journalisten schildern, was nach ihren Veröffentlichungen passiert ist: Im politischen Raum, in der Justiz – und welche Fragen noch offen sind. Warum etwa wird nicht wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung ermittelt?


https://media.ccc.de/v/36c3-11114-die_affare_hannibal





Von Menschen radikalisiert: Über Rassismus im Internet



Hannibal

Seit Jahren wird über den Einfluss des Internets auf die Gesellschaft diskutiert. Desinformationskampagnen in den sozialen Medien, russische Bots und Empfehlungs-Algorithmen hätten die Gesellschaft gespalten. Doch viele Unterstellungen lassen sich einfach widerlegen.

Dieser Vortrag gibt einen Überblick und schlägt Ansätze vor, wie sich die Phänomene des Rechtsrucks zu einem konsistenten Bild zusammenfügen lassen.


https://media.ccc.de/v/36c3-11097-von_menschen_radikalisiert_uber_rassismus_im_internet





Social Bots, Fake News und Filterblasen (1. Teil vom Vortrag "Von Menschen radikalisiert: Über Rassismus im Internet"



Talk 36c3

Therapiestunde mit einem Datenjournalisten und vielen bunten Visualisierungen

„Angriff der Meinungsroboter“ und „Gefangen in der Filterblase“ titelten die deutschen Medien. Doch was ist wirklich daran?


https://media.ccc.de/v/34c3-9268-social_bots_fake_news_und_filterblasen





Rechter Feminismus in der 'Identitären Bewegung' ? How to red pill a woman



Talk 36c3

TDer Feminismus ist Feindbild der rechten Szenen. So auch in der ‚Identitären Bewegung‘. Neben Praktiken des Otherings und Diffamierungen gegen Feminist*innen und andere Akteur*innen des Gender-Diskurses behaupten die ‚Identitären‘, sich für Frauen viel gewissenhafter einzusetzen als „die Linken“ es täten: Denn Feminismus mache Frauen unglücklich und mache sie langfristig zu unfrei. Frauen ließen sich von „linksgrünversifften“ Mainstreammedien und der Politik unwissentlich emotional erpressen und wählten darum Parteien¬, die in der Lesart der IB Frauen nur Unglück brächten. Die Überzeugungsstrategien, die genutzt werden, um Frauen auf die „rechte Seite“ zu ziehen, wird in der Szene als „red pilling“ bezeichnet – eine Metapher von misogynen Männerrechtlern, die durch „Gamergate“ auch andere Szenen erreichte. Ich werde die vermeintlich ‚harmlos‘ erscheinenden Social-Media-Darstellungen der ‚Identitären‘ – wie das „private’ Instagramfoto einer Schwangeren im Kornfeld – analysieren, und zeigen, welche mehr oder weniger subtilen Reproduktion von stereotypischen, antifeministischen Rollenbildern transportiert werden, die vordergründig als „frauenfreundlich“ angeboten werden.


https://media.ccc.de/v/36c3-115-rechter-feminismus-in-der-identitren-bewegung-oder-how-to-red-pill-a-woman





NSU-Watch: Aufklären & Einmischen - Der NSU-Watch Jahresrückblick 2019



Talk 36c3

NSU-Watch: Aufklären & Einmischen. Der Podcast über den NSU-Komplex, rechten Terror und Rassismus https://www.nsu-watch.info/podcast/ Das Netzwerk des NSU wurde nicht aufgedeckt und rechtem Terror nicht die Grundlage entzogen. Diese beiden Fakten hatten 2019 massive Konsequenzen und kosteten Menschenleben. Im Juni wurde der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke von einem Neonazi hingerichtet und im Oktober wurden Jana L. und Kevin S. bei einem antisemitischen und rassistischen Anschlag in Halle ermordet. Recherchen deckten weitere Details zu den rechten Netzwerken in Polizei und Bundeswehr, bekannt unter Namen wie „Nordkreuz“ oder „NSU 2.0“, auf. Weltweit verloren dutzende Menschen ihr Leben, weil Rassisten einen „Großen Austausch“ herbei phantasieren, den sie stoppen wollen. Sie alle werden angeheizt durch eine gesellschaftliche rechte Mobilisierung. Und was wird medial und von Politiker*innen diskutiert? Der Verfassungsschutz soll besser ausgestattet werden und nebenbei kehrte die längst überwunden geglaubte „Killerspiel-Debatte“ zurück. Die AfD, auch bekannt als „parlamentarischer Arm des Rechtsterrorismus“ sitzt in allen Parlamenten und Talkshows. Im Jahresrückblick des Podcasts „NSU-Watch: Aufklären&Einmischen“ wollen wir auf dieses von rechtem Terror geprägte Jahr zurückblicken und auch fragen: Womit haben wir es zu tun? Wie können wir dagegen angehen? Wir blicken auch auf das Jahr 2020, in dem viele dieser Ereignisse weiterhin uns aber auch die Gerichte beschäftigen werden.


https://media.ccc.de/v/36c3-114-nsu-watch-aufklren-einmischen-der-nsu-watch-jahresrckblick-2019





Verbrannte Wörter – Sprache des Nationalsozialismus



HTalk 36c3

Sprache schafft Bewusstsein. Als ein Gegenpol zum rechten „Das wird man doch wohl noch sagen dürfen“-Narrativ soll es in diesem Vortrag um verbrannte Wörter gehen. Wörter, die durch die Nationalsozialisten derart negativ besetzt wurden, dass ihr Gebrauch wohl überlegt sein will. Dieser Vortrag wird den historischen Kontext zu bestimmten Worten oder Wendungen erklären, sei es zum Beispiel die „Aktion“, „asozial“, die „Überfremdung“ oder „versifft“. Den Zuhörenden soll hier dabei geholfen werden, bestimmte nationalsozialistische Denkmuster durch ihre Sprache nicht aktiv zu reproduzieren und dabei helfen, eine geschichtsbewusstere Sprache zu etablieren. An einigen Stellen wird die Analyse von Worten oder Wendungen auch einen klaren Bezug zur Sprache der neuen Rechten in Deutschland enthalten. Der Vortrag ist als Präsentation konzipiert und wird schrittweise verschiedene Worte genauer analysieren, der Vortrag kann dann im Abschluss aber gerne durch einen etwas längeren Fragenteil abgerundet werden.


https://media.ccc.de/v/36c3-85-verbrannte-wrter-sprache-des-nationalsozialismus-gestern-und-heute#t=28





Aus dem Schimpfwörterbuch der neuen Rechten



Talk 36c3

Der Vortrag gibt auf der Basis umfangreicher korpuslinguistischer Analysen einen Überblick über den Fundus herabwürdigender und ausgrenzender Ausdrücke, die in rechten und rechtsextremen Onlinediskursen geprägt wurden. In den tiefensemantischen Strukturen des invektiven Wortschatzes der neuen Rechten wird ein stark schematisiertes Weltbild sichtbar, das von der grundlegenden Verachtung nicht nur des Fremden, sondern auch des eigenen Landes, seiner Institutionen, seiner Werte und seiner Bevölkerung geprägt ist.

Das gesteigerte Maß an Ausgrenzung und gesellschaftlicher Polarisierung, das seit dem Wiedererstarken rechter Parteien und Denkweisen in Deutschland zu verzeichnen ist, ist nicht die einzige Errungenschaft, die wir den neuen Rechten zu verdanken haben. Sie haben auch den Wortschatz um ein schier unerschöpfliches Repertoire an Schimpfwörtern bereichert. Deren Spektrum reicht von unüblichen Verknüpfungen von Wortbestandteilen wie bei „Journhalunke“ oder „GEZStapo“, über die produktive Verfremdung von Eigennamen wie im Fall von „K®amp(f)-K(n)arrenbauer“ oder „Merkill“, Hyperbolisierungen wie „Superübergutbestmenschen“ oder Satzkomposita wie „IchseheauswieeinkonservativerCSUKatholikundwerdedeshalbvondenganzenDeppengewähltweildasjanichtsoeinGrünerist“ (Winfried Kretschmann) bis hin zu Gleichsetzungen zur Denunziation von Kritik wie in „Waffen=Rassismus=rächtz=Nazi=Gefahr=Erderwärmung“.

Im Vortrag sollen zunächst die wichtigsten sprachlichen Strategien zur Bildung herabwürdigender Ausdrücke vorgestellt werden, ehe in einem zweiten Schritt der invektive Wortschatz zu einzelnen Politik- und Gesellschaftsbereichen in Auswahl präsentiert wird. Basis der Untersuchung bildet eine umfangreiche korpuslinguistische Analyse einschlägiger rechter und rechtsextremer „Nachrichten“-Seiten, Blogs, Kommentarspalten und Foren aus den Jahren von 2012 bis 2019, die mehr als 25.000 Schimpfwörter zutage färderte.

Der Vortrag will nicht nur das Offensichtliche zeigen: Dass für die neuen Rechten herabwürdigendes und ausgrenzenden Sprechen zentrales Medium der politischen Auseinandersetzung ist. Vielmehr wird in den vielfältigen Formen herabwürdigenden Sprechens ein Weltbild sichtbar, das von wenigen Grundunterscheidungen geprägt ist. Auch wird sich zeigen, dass die neuen Rechten sich als eine Schmähgemeinschaft konstituieren und das Land, in dem sie leben, seine Bürger_innen und seine Institutionen nachhaltig verachten.


https://media.ccc.de/v/36c3-10935-aus_dem_schimpfworterbuch_der_neuen_rechten#t=235