Rede Christiane Dahncke Sprecherin des Bündnisses

Liebe Goslarerinnen, liebe Goslarer, liebe Gäste aus Nah und Fern,

Ihr gebt ein großartiges, hoffnungsvolles Bild ab von hier oben und ganz bestimmt auch, wenn ihr euch einmal selbst umschaut. Michael Ohse hat es schon gesagt, wir sind froh und stolz, so eine große, bunte Menge hier, in Goslars guter Stube, dem Marktplatz zusammenzubringen….. Danke für euer Hiersein!

Angesichts der aktuellen Ereignissen, die uns hier zusammengebracht haben und an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte, möchte ich Bezug nehmen auf das heutige Datum, den 27. Januar. Vor 79 Jahren wurde das Vernichtungslager Auschwitz befreit und seit 96 gedenkt Deutschland an diesem Jahrestag der Opfer des Nationalsozialismus. Dazu gehörten Juden zuallermeist, aber auch Sinti und Roma, Homosexuelle, Behinderte, politisch Andersdenkende, Kriegsgefangene und Menschen, deren Leben für „unwert“ erklärt wurde.

Ich möchte euch bitten, einen Moment innezuhalten um der Millionen von Opfern gemeinsam zu gedenken.

- Danke -

Unser Goslarer Bündnis gegen Rechtsextremismus hat diese Kundgebung initiiert und angemeldet. Es gibt „uns“ seit 2007, damals gegründet gegen die Landtagskandidatur der NPD. Von heute aus betrachtet, erscheint das fast als die „gute, alte Zeit“. Da erkannte man Rechtsextremisten noch auf den ersten Blick: Bomberjacke, Springerstiefel, Glatze, ein eindeutiges Tattoo; so einfach war das. Natürlich….diese Nazis gibt es immer noch – gesehen z.B. beim sog. „Tag der Deutschen Zukunft“ 2018 hier in Goslar.

Aber das eigentliche Problem sind sie in dieser Erscheinungsform nicht mehr. Längst haben sie sich ein bürgerliches Mäntelchen übergeworfen, tragen Seitenscheitel oder Zopf; Jeans, Anzug oder Faltenrock und drängen in die Parlamente.

Allen voran ist die AfD zu nennen, die die schlechteste aller Alternativen für Deutschland ist! 3 Landesverbände sind inzwischen als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft, der thüringische AfD-Chef Björn Höcke darf (und sollte!), als Faschist bezeichnet werden.

Aber auch zahlreiche andere AfD'ler haben sich durch ihre Aussagen disqualifiziert. Wer sich das zumuten mag, kann auf unserer Homepage eine Zitatesammlung lesen. Was da an Menschenverachtung und Rassismus formuliert wird, ist unerträglich…. auch wenn es inzwischen kaum noch überrascht.

Nun ist das Fass aber doch übergelaufen und es regt sich landauf / landab Widerstand gegen die „Verbraunung“ unserer Gesellschaft und die damit einhergehende Verachtung von Demokratie und Menschlichkeit. Wie ihr wisst, hatten sich zwei Dutzend Menschen in einem Hote nahe Potsdam getroffen. Manche Mitglied der AfD, ein führender Kopf der Identitären Bewegung. Manche sind Burschenschafter, dazu Bürgertum und Mittelstand, Juristen, Politikerinnen, Unternehmer, Ärzte. Auch zwei CDU-Mitglieder waren dabei, Mitglieder der Werteunion.

Ihr Thema: Menschen sollen aufgrund rassistischer Kriterien aus Deutschland vertrieben werden können – egal, ob sie einen deutschen Pass haben oder nicht. Das Schlagwort heißt Remigration, gemeint ist Deportation.

Solche Planungen werden wir nicht hinnehmen!

Wir alle hoffen, dass die Veröffentlichung des Recherchenetzwerkes „correctiv“ einen Wendepunkt markiert.

Diese und die vielen anderen Kundgebungen und Demonstrationen dieser Tage können nur der Anfang sein! Es braucht unsere gemeinsame Anstrengung, damit die folgende Utopie eine Chance hat sich in Richtung Realität zu entwickeln.

Bündnisse gegen Rechtsextremismus werden aus dem Boden sprießen und ungeahnten Zulauf erfahren. Vereine werden darauf achten, dass ihre Vorstände keine Nazis sind, Wählerinnen und Wähler werden Parteiprogramme studieren, politische Visionen werden uns umtreiben, Populismus und fake news gehen wir nicht auf den Leim, Diskussionen und Debatten entstehen allerorten. Und zu guterletzt: Alle hier Anwesenden unterstützen das Selbstverständnis unseres Bündnisses, welches sich bewusst auch gegen die AfD wendet. Sehr geehrte Oberbürgermeisterin Schwerdtner, sehr geehrter Landrat Dr. Saipa, bitte gehen Sie mit gutem Beispiel voran und unterstützen auch Sie unsere Arbeit, in dem Sie das Selbstverständnis auf unserer Homepage unterschreiben.

Denn nur gemeinsam können wir etwas bewegen! Wir alle stehen hinter dem heutigen Motto:

Demokratie verteidigen – AfD stoppen!

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit!