Aktuell nutzen zirka 60 Prozent aller Deutschen direkt oder indirekt KI. Über die Hälfte der Nutzer:innen kommunizieren bewusst über Sprachassistenten oder Chat-Bots mit der KI, und der Rest indirekt über Suchmaschinen oder sonstige Internetseiten, die Informationen anbieten.
Die KI – Hype wird wohl weiter an Fahrt zulegen, unter anderem wird dieser Hype zusätzlich von den Medien befeuert. Schaut mensch sich allein die aktuellen Bücher zur KI, die zur Zeit wie Pilze aus dem Boden wachsen an, bekommt man den Eindruck, KI ist ein Heilsbringer, der in Zukunft alle Probleme der Menschheit auf einen Schlag lösen wird oder kann.
Diese Bücher sind zum großen Teil sehr unkritisch und vermitteln einem das Gefühl, wenn du jetzt nicht auf den fahrenden Zug der KI aufspringst, bist du einfach von gestern.
Im Oktober letzten Jahres stieß ich auf das Buch „Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus“ von Rainer Mühlhoff. Der Titel machte mich sofort neugierig, weil scheinbar endlich mal ein Buch auf dem Markt kam, das sich kritisch mit dem Thema KI auseinandersetzt.
Meine Erwartungen wurden positiv bestätigt.
Rainer Mühlhoff ¹ ) erklärt in seinem Buch Begriffe und Ideen die zum Verständnis der Materie Voraussetzung sind. Und das in einer Art, die alles andere als trocken ist. Seine Texte sind sehr gut strukturiert und gehen in die Tiefe. Es ist schwer das Buch wieder aus der Hand zu legen.
Als Einstieg wird der Begriff Faschismus erläutert. Die drei Säulen an dem der Faschismus erkennbar ist, sind:
Zitat:
„
- Antidemokratisches Wirken: Faschistische Politik zielt darauf, den Rechtsstaat, die administrativen Abläufe und die parlamentarische und demokratische Ordnung zu zerstören. …
- Gewaltbereitschaft: Faschistisches Wirken ist gekennzeichnet durch persönliche Gewaltbereitschaft und Bereitschaft der Akteure, sich so gehässig wie möglich zu verhalten, sei es sprachlich, medial, physisch oder politisch. …
- Technologie als Machtinstrument: Zum Faschismus gehört auch die berechnende Indienstnahme neuester Technologie, um eigene Machtinteressen zu realisieren – oft in einem Zusammenspiel zwischen Industrie und Regime. …
„
Dann folgen die Kapitel:
- 1. Was ist KI? – technisch und historisch gesehen
- 2. Die Gesellschaft der Präemption
- 3. Der KI-Hype im öffentlichen Diskurs
- 4. Die Ideologien hinter dem KI-Hype
- 5. Libertarismus, Dunkle Aufklärung und Alt-Right
- 6. Der neue Faschismus
- Was tun?
Rainer Mühlhoff gelingt es in diesen Kapiteln in die Komplexität der KI und deren Auswirkungen einzusteigen. Eindrucksvolle Beispiele unterstützen das Verständnis, weiterhin werden Fremdwörter und Fachbegriffe verständlich erklärt.
Die aktuelle Politik in den Vereinigten Staaten zeigt uns gerade sehr eindringlich wie groß der destruktive Einfluss der „Technolgie Giganten“ in der Politik ist. In noch nie da gewesener Geschwindigkeit werden demokratische Strukturen zerstört, zum Beispiel mit der Operation DOGE.
Wie bei jeder neuen Technologie sollte wir diese kritisch betrachten und in der Gesellschaft sollte versucht werden einen breiten Konsens zu finden, wie mit der neuen Technologie umgegangen wird.
Zum Schluss das Kapitel „Was tun?“. Nach meiner Ansicht der schwächste Teil von dem ansonsten sehr guten Buch. Aber ich frage mich, ist dieses Kapitel wirklich wichtig in diesem Werk?
Ich meine nein. Das Buch zeigt uns sehr anschaulich die aktuellen Probleme der KI auf. Der Leser, die Leserin bekommt ein Werkzeug mit diesem Buch in die Hand um selbst über geeignete Wege mit der Problematik KI in unserer Gesellschaft umzugehen und nach Lösungen zu suchen.
Fazit: Absolute Leseempfehlung!!!